Geschichte der Luftrettungsstation

In den späten 60-iger Jahren war war die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland stark gestiegen . Mit fast 20.000 Toten hat sie 1970 ihren Höhepunkt erreicht. Dr. Hans Burghart, damals Chirurg im Städtischen Krankenhaus München-Harlaching, erkannte als einer der ersten Notärzte: Durch qualifizierte Sofortmaßnahmen am Unfallort könnten viele Unfallopfer überleben, die sonst nicht einmal den Transport in ein Krankenhaus überstehen würden. Krankenwagen brauchen unter Umständen recht lange zum Unfallort, denn sie müssen sich durch den Verkehrsstau hindurch wühlen, ebenso dauert der Transport für die Verletzten mitunter zu lange, um das rettende Krankenhaus noch lebend zu erreichen. Ein Hubschrauber wäre also die ideale Ergänzung zur bestehenden Rettungskette. Zusammen mit dem ADAC, unter Federführung des damaligen ADAC-Vize-Präsidenten Franz Stadler (Präsident von 1972 bis 1989), entwickelte Burghart ein Konzept zur Luftrettung.

Vom 13. Juni bis 06. Oktober 1968 und vom 20. Dezember bis 07. Januar charterte der ADAC einen Hubschrauber vom Typ Jet-Ranger mit dem Funkrufnamen “Kolibri” versuchsweise für Einsätze rund um München. In der ersten Testphase war der Hubschrauber am Flughafen München-Riem stationiert. Während der zweiten Testphase, zur Untersuchung der winterlichen Einsatzbedingungen startete der Hubschrauber vom Klinikum rechts der Isar. Eine dritte Testphase lief im Sommer 1969. Die Crew bestand aus Arzt und Pilot, für einen Sanitäter war kein Platz an Bord. Aus diesem Testlauf wurde in der Folge zum 1. November 1970 der erste offizielle zivile Luftrettungsstützpunkt am städtischen Krankenhaus München Harlaching etabliert, der sich als richtungsweisend für die Luftrettung in Deutschland und auch im Ausland erweisen sollte. Das “Münchner Modell” wurde aus der Taufe erhoben. Aber nicht nur das Konzept, auch der Hubschrauber war ein Novum. Es handelte sich um die erste Serienmaschine des neu auf den Markt gekommenen Musters Bölkow BO 105. Die hervorstechendsten Merkmale des neuen Helikopters waren das Doppeltriebwerk und der gelenklose Titan-Rotorkopf, die einen Zugewinn an Flugsicherheit und Manövrierfähigkeit bedeuteten. Zur Crew gehörten ein Arzt vom Krankenhaus Harlaching, ein ADAC-Pilot und ein Rettungssanitäter vom Bayerischen Roten Kreuz.

   

 

 

Der Funkrufname "Christoph 1"
des Rettungshubschraubers wurde nach dem heiligen Christophorus, dem Schutzpatron der Reisenden, gewählt.

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Vom Januar 1975 bis 02.02.1984 übernahm der Bundesgrenzschutz den fliegerischen Part der Luftrettung. Der ADAC wurde für die Katastrophen- schutzhubschrauber mit der Einsatzabrechnung betraut.

   
   

 

 

Ab dem 03.Feruar 1984 stellte der ADAC wieder Hubschrauber und Piloten.

Der Rettungshubschrauber der zweiten Generation, eine Maschine vom Typ BK 117 wurde in Dienst gestellt und somit neue Maßstäbe im Luftrettungsdienst gesetzt. Dieser Typ hat gegenüber des Vorgängermodells BO 105 deutliche Vorteile:

  • Vergrößerter Behandlungsraum, damit verbunden verbesserter Zugang zum Patienten
  • höhere Triebwerksleistung
  • Bordtechniker als zusätzliches Besatzungsmitglied erhöht den Sicherheitsstandard
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Die Einsatzzahlen stiegen an, im Juli 1985 wird der 200. Einsatz in einem Monat gefeiert.
   
   

Seit 1995 ist der RTH zusätzlich mit einer Rettungswinde ausgerüstet, die es ermöglicht, Arzt und Rettungsassistent auch in unwegsamem Gelände, in unmittelbarer Nähe des Notfallortes abzusetzen. Nach der Versorgung kann der Patient mit Hilfe der Winde in den RTH aufgenommen werden.

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Buchempfehlung für die Interessierten an der Geschichte der ADAC Luftrettung

ADACOPTER Auf-Zeichnungen einer Entwicklung, von Gerhard Kugler Werner Wolfsfellner MedizinVerlag München ISBN 3-933266-77-7

Gerhard Kugler, ehemaliger Geschäftsführer der ADAC Luftrettung GmbH, gestaltete die Luftrettung von den Pioniertagen in den 60 iger Jahren bis zum Jahre 2001. In 155 ausgewählten Cartoons und mit handfesten Daten und Erläuterungen hat er seine Erinnerungen festgehalten. Einige Daten und Kommentare auf dieser Homepage sind diesem Werk entnommen.

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